Wohnkosten: Ab wann die Miete zur Schuldenfalle wird

Wohnkosten: Ab wann die Miete zur Schuldenfalle wird

Hohe Mieten belasten deutsche Haushalte immer stärker. Doch zur Schuldenfalle werden die Mietpreise weniger in den teuren Boom-Städten, sondern vor allem auf dem Land. Dahinter steckt eine ganz eigene Dynamik.

Verbraucherzentralen, Mieterschützer und Schuldnerberater, sie alle propagieren gerne eine einfache Faustregel: Die Miete darf nicht mehr als ein Drittel des Nettohaushaltseinkommens betragen.

Das Problem: In vielen Orten liegen die Mieten inzwischen so hoch, dass sie mit einem Drittel eines durchschnittlichen Einkommens nicht mehr finanzierbar sind. So wenden Münchner im Schnitt knapp die Hälfte ihres Einkommens für die Miete auf – und das wohlgemerkt bei deutlich überdurchschnittlichen Einkommen. In Frankfurt und Berlin sind es im Schnitt knapp 40 Prozent.

Wer sich an die Ein-Drittel-Regel halten will, müsste demnach also weit überdurchschnittlich verdienen – oder Deutschlands Großstädte meiden.

Doch selbst das schützt nicht vor Mietschulden. Wie eine neue Erhebung des Statistischen Bundesamtes zeigt, sind Mietschulden in ganz Deutschland ein wachsendes Problem. Jeder fünfte Überschuldete, der Hilfe bei einer Beratungsstelle sucht, hat Mietschulden.

Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Regionen. So leiden in Westdeutschland „nur“ 18 Prozent der überschuldeten Menschen unter Mietschulden. In den neuen Bundesländern ist es mit 31 Prozent knapp jeder Dritte.

Die Schuldner sind im Schnitt mit knapp zwei Monatsmieten im Rückstand, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Auch hier gibt es große Unterschiede zwischen Ost und West. In Ostdeutschland liegen die Mietschulden mit im Schnitt 1147 Euro deutlich höher als im Westen (786 Euro).

Diese Voraussetzungen führen direkt in einen Teufelskreis: Wer wenig Geld hat, versucht in der Regel dennoch zu allererst, seine Miete zu bezahlen, , denn die Nichtzahlung von Mietkosten hat für den Mieter meist harte Folgen.

Doch nur weil jemand die Miete zahlt, heißt das nicht, dass er keine Schulden hat. Demnach gäbe es eine große Dunkelziffer an Menschen, die zwar die Miete noch bezahlen können, aber kaum etwas darüber hinaus. Sie verschulden sich dann, um ihren Konsum finanzieren zu können.

.Und die Zahl derer, die nach der Miete kaum noch Geld übrig haben, ist nicht trivial: Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hatten Ende 2017 etwa 1,3 Millionen Haushalte in deutschen Großstädten nach Abzug der Miete nur noch maximal ein Resteinkommen in Höhe der Hartz-IV-Regelsätze zur Verfügung.

Wer sich für seinen Konsum verschuldet, wird in der Statistik des Bundesamtes nicht geführt, weil er nicht mit der Miete in Rückstand ist. Dennoch sind es auch bei diesen Personen allzu oft die hohen Mieten, die ihn oder sie direkt oder indirekt in die Schulden getrieben haben.

Irgendwann tauchen auch diese Menschen oft in der Mietschulden-Statistik auf. Wer bereits verschuldet ist, hat keinen Puffer, um etwaige Schicksalsschläge oder auch nur eine kaputte Waschmaschine zu finanzieren. Und gerät dann im Zweifel auch mit der Miete in Rückstand.

Mietschulden wären demnach weniger ein Problem der boomenden Großstädte mit ihren astronomischen Mietpreisen, sondern vor allem ein Problem der finanziell schlechter Gestellten.


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Alexander Konrad Immobilien Darmstadt

Alexander Konrad

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