Expo Real 2019: Der Höhenflug wird normal

Expo Real 2019: Der Höhenflug wird normal

Drei Tage lang nutzten 2.190 Aussteller und rund 46.000 Besucher die Gewerbeimmobilienmesse Expo Real in München als Plattform für Diskussionen, zum Netzwerken und für Geschäfte. Die Stimmung war bestens und trotz Brexit, Konjunktureintrübung und Handelsstreit überwog realitätsbezogener Optimismus.

Sollte man die immobilienwirtschaftliche Großwetterlage auf den Punkt bringen, würde man das nach den Expo-Real-Erfahrungen in diesem Jahr wohl am ehesten mit “weiterhin heiter” oder “unter stabilem Hochdruckeinfluss” tun.

Denn eine Änderung der positiven Entwicklung für den deutschen Immobilienmarkt erwarteten die meisten Branchenfachleute vorerst nicht. Die lockere Geldpolitik der EZB lässt Zinserhöhungen in weite Ferne rücken und verleiht Investments in Immobilien weiterhin eine hohe Attraktivität.

Was auf der diesjährigen Leitmesse im Einzelnen zu verschiedenen Assetklassen und Regionen diskutiert und vorgestellt wurde – eine Auswahl:

EVIC Expertentalk: Deutschland bleibt beim Wohnen Investors Darling

“Investoren rechnen mit weiter steigenden Preisen”, berichtete beispielsweise Kai Wolfram, geschäftsführender Gesellschafter der Engel & Völkers Investment Consulting (EVIC), im Rahmen eines Expertentalks zum Thema “Immobilieninvestmentmarkt: Safe Haven Germany am Ende?”.

Aufgrund des Angebotsmangels und der weiter steigenden Immobilienpreise vor allem in den Segmenten Wohnen und Büro planten viele Marktteilnehmer höhere Investitionen außerhalb der etablierten Ballungszentren.

Die Produktknappheit lasse außerdem immer mehr Investoren auf Mischnutzungs- und neue Konzepte ausweichen, so Wolfram.

Andere wiederum verlagerten ihr Risiko-Cluster weiter zu Core Plus oder Value-Add.

Während in den A-Standorten der Preis-Peak mittlerweile erreicht sei, werde die steigende Nachfrage in den B- und C-Standorten noch zu steigenden Preisen führen.

“Die Mehrheit der Investoren beobachtet die aktuelle Konjunkturentwicklung und das Zinsumfeld sehr genau. Auf der Suche nach alternativen Anlagemöglichkeiten stehen die Zeichen weiter auf Ankauf.”

Andreas Ewald, geschäftsführender Gesellschafter von EVIC

Thomas Landschreiber, Chief Investment Officer der Corestate Capital Group, sagte, sein Unternehmen investiere in Deutschland zunehmend in Serviced Apartments.

Diese Mischnutzungsform sei für Investoren besonders deshalb interessant, weil sie gewerblich und nicht von Mietregulierungen betroffen sei.

Der Fokus liege auf den deutschen Top 7 (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart), weil hier für die Assetklasse Micro Living die größte Lücke zwischen Angebot und Nachfrage bestehe.

“Als Projektentwickler sind wir auf Wohnungsbau und Quartiersentwicklung spezialisiert. Eine Verlagerung in andere Assets kommt für uns nicht infrage”, sagte Andreas Steyer, CEO von Consus Real Estate.

Gerade in den großen deutschen Metropolen sehe er auch in den kommenden Jahren noch einen sehr großen Bedarf.

Vor allem bezahlbarer Wohnraum werde eine wachsende Nachfrage erfahren. Das Immobilienpreisniveau in Deutschland habe deutlich angezogen und nicht bei jeder Preisvorstellung könne sein Unternehmen mitgehen.

“Was die Renditeerwartung angeht, sind Institutionelle aus der Schweiz, von einem anderen Niveau kommend und mit Negativzinsen erfahren, durchaus moderater und operieren mit geringeren Kapitalerträgen.”

Christoph Schumacher, Head of Global Real Estate der Credit Suisse Asset Management

Schumacher denkt, dass sich die Immobilienwirtschaft insgesamt auf niedrigere Renditen einstellen muss.

“Die börsennotierten Wohnungsgesellschaften verzeichneten lange Zeit einen Bonus auf ihren Asset Value, inzwischen sehen wir eher Abschläge”, berichtete Thomas Wiegand, Managing Director der Cerberus Deutschland Beteiligungsberatung.

Bürovermietungsmarkt: BNPPRE erwartet Umsatzrekord für 2019 

“In den ersten drei Quartalen 2019 lag das Transaktionsvolumen auf einem hohen Niveau und der Bürovermietungsmarkt steuert auf einen neuen Rekord zu”, erläuterte Piotr Bienkowski, Chief Executive Officer (CEO) der BNP Paribas Real Estate Holding (BNPPRE).

Die Zinsen seien nochmals gesunken und immer häufiger richte sich der Blick nach Japan und dessen Umgang mit der Deflation.

“Gerade in einer Welt mit zunehmenden ökonomischen und politischen Unsicherheiten stellen Immobilien trotz der mittlerweile hohen Preisniveaus eine der renditestärksten, am wenigsten schwankungsanfälligen und damit sichersten Assetklassen dar”, so Bienkowski.

Dies gelte insbesondere in einer insgesamt stabilen und gesunden Volkswirtschaft wie Deutschland.

“Das Interesse ausländischer Investoren ist ungebrochen hoch und liegt in vielen Deals bei 40 bis 60 Prozent”, bestätigte Andreas Völker, Geschäftsführer bei BNPPRE.

Deutschland werde im Vergleich zu anderen Ländern immer noch als sicherer Hafen wahrgenommen. Investoren akzeptierten angesichts mangelnder Alternativen niedrige Renditen.

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